Dokumentarfilm

  • 26. Mai 2022

Was genau ist eigentlich ein Dokumentarfilm?

Ein Dokumentarfilm versucht, die Realität zu zeigen – nichts dazu zu erfinden, nichts zu vernebeln oder schönzufärben, sondern immer ein Stückchen von der Welt, die uns umgibt. Dokumentarfilme bieten Einblicke, die wir sonst nicht bekommen könnten. Mit ihnen entdecken die Zuschauer Orte, die sie möglicherweise nie besuchen werden. Dokumentarfilme sind vielfältig. Stellen soziale, politische, gesellschaftliche und oft auch ganz alltägliche Themen in den Mittelpunkt. Sie zeigen Schönes und Schreckliches, Dinge, die einen traurig und wütend machen, aber auch zum Lachen bringen können. Sie helfen dabei, unsere Welt besser zu verstehen. Manche Dokumentarfilmer erklären sie auf ihre ganz persönliche Weise und gehen den Dingen auf den Grund, indem sie Antworten auf wichtige Fragen suchen.

Warum Dokumentarfilm?

Das alles und seine ganz unterschiedlichen Möglichkeiten der Gestaltung sind Gründe, warum „Dokumentarfilm“ für uns DAS geeignete Medium ist, um Medienkompetenz, kulturelle Bildung und grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders auf spannende und lustvolle Weise zu vermitteln, die sowohl Freude bringt, als auch zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

Was für Dokumentarfilme gibt es?

Dokumentarfilme werden in verschiedene Unterkategorien eingeteilt. Dazu zählen:

  • Kino-Dokumentationen
  • Fernseh-Dokumentationen
  • Naturfilme
  • semidokumentarische Filme
  • Doku-Dramen
  • investigative Dokumentarfilme
  • Reportagen und Magazinbeiträge

Der Semidokumentarfilm ist ein Genre des Spielfilms, das stellenweise mit dokumentarischen Mitteln arbeitet oder auch dokumentarisches Filmmaterial mit einbezieht, um didaktisch über soziale Missstände zu informieren oder über in der Öffentlichkeit wenig bekannte Probleme und Praktiken zu berichten.

Varianten des Dokumentarfilms

Es gibt viele Arten des Dokumentarfilms. Klar unterscheiden lässt sich ein Dokumentarfilm, der in zumindest etwas längerer Form für das Kino gemacht ist, von einer kurzen Reportage für eine Nachrichtensendung oder ein Magazin, und von einer Dokumentation, die in der Regel viel wortlastiger- und stark durch Schnitt und Musik gestaltet ist.
Auf der anderen Seite, in Richtung zum fiktionalen Film, gibt es diverse Misch- und Hybridformen und den subjektiven Essayfilm.
Ein Dokumentarfilm ist keine Reportage, sondern ein künstlerisches Produkt. Es nutzt Original-Dokumente und fügt nachgestellte oder bearbeitete Szenen hinzu. Diese Vermischung der Formen kann irritieren. Wo liegen die Grenzen, was sind die Unterschiede?

Was darf ein Dokumentarfilm?

Und in dem Zusammenhang auch die Frage, was ist wirklich, was ist inszeniert und… was darf ein Dokumentarfilm?

An einen Dokumentarfilm wird der Anspruch erhoben, „authentisch“ zu sein. Die Erwartungshaltung des Zuschauers an einen Dokumentarfilm ist anders als die Erwartung an einen Spielfilm. Bei fiktionalen Filmen erwartet der Zuschauer eine ausgedachte Erzählung – bei Dokumentarfilm erwartet der Zuschauer eine Erzählung, die auf der Wirklichkeit basiert.

Gewissermaßen ist jeder Film auch ein Dokumentarfilm. Er dokumentiert das, was vor der Kamera zu sehen ist – und sei es das Spiel von Schauspielern in Kostümen und vor künstlich errichteten Kulissen.

Die große Frage nach der Wahrheit im Kino ist immer nur relativ zu beantworten. Was wir im Kino sehen, ist immer die subjektive persönliche Wahrheit derjenigen, die diesen Film gemacht haben. Sie drückt sich gerade auch in Entscheidung darüber aus, was zu sehen ist und was nicht, was inszeniert wird, was gezeigt wird – und wo der Film bewusst nicht hinschaut.

Der einzige echte und deshalb sicherlich entscheidende Unterschied zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm liegt im zumindest unausgesprochenen unterschiedlichen Anspruch beider Genres: Der Dokumentarfilm behauptet, etwas zu zeigen, was es wirklich gegeben hat und nicht erfunden wurde. Der Spielfilm bekennt sich offen dazu, dass das was er zeigt, ausgedacht ist und durch die Wirklichkeit bestenfalls inspiriert wurde. Er will aber nicht deren Abbildung sein

Heinz B. Heller, Professor für Medienästhetik und Mediengeschichte und Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema „Fernsehdokumentarismus“ ist der Ansicht: „Wie jeder Film ist der Dokumentarfilm nur ein Film: ein Zeichen der Zeit, aber niemals die Wirklichkeit selbst.“ Es kann nur ein Abbild dessen sein, wie der Filmmacher die Realität sieht, bzw. die Wahrheit die dahinter steht und die für die Dokumentarfilmer oft mehr zählt als die „bloße“ Wirklichkeit.“

Wie und wo wird man Dokumentarfilmer*in?

Zahlreiche Hochschulen und Universitäten bieten Studiengänge im Bereich Dokumentarfilm für Menschen an, die Dokumentarfilmer werden wollen. Es ist auch möglich, als Dokumentarjournalist oder Fotograf zu arbeiten, wobei journalistische Programme möglicherweise besser geeignet sind als dokumentarische Programme. Viele Absolventen schließen ihre Abschlussarbeit ab, was ihnen die Möglichkeit gibt, mit namhaften Leuten auf diesem Gebiet zu trainieren. Eine Masterarbeit kann auch als Demo-Reel oder Portfolio-Projekt verwendet werden, das einem Studenten helfen kann, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Eine weitere Möglichkeit für jemanden, der sich für eine Ausbildung zum Dokumentarfilmer interessiert, ist die Ausbildung bei einem Dokumentarfilmer. In diesem Fall kann der Student Dokumentarfilmer werden, indem er mit jemandem zusammenarbeitet, der Dokumentarfilme dreht oder produziert. Ein Vorteil dieser Art der Ausbildung ist, dass der Schüler sofort in eine Arbeitswelt eintaucht. Es kann auch Möglichkeiten bieten, in vielen verschiedenen Besatzungspositionen zu arbeiten und mehr über die Arbeit hinter der Beschaffung von Finanzierung und Vertrieb zu erfahren.
Menschen, die durch die Berufspraxis Dokumentarfilmer werden möchten, beginnen oft als unbezahlte Praktikanten.

Viele Dokumentarfilmer arbeiten unabhängig und haben möglicherweise nur begrenzte Mittel zur Verfügung, und wenn sie Verträge mit größeren Studios haben, wird von ihnen oft erwartet, dass sie die Kosten niedrig halten, indem sie unbezahlte Praktikanten für ihre Crews einsetzen. Wenn ein Praktikant mehr Erfahrung sammelt, kann er oder sie bezahlte Jobs annehmen, obwohl das Gehalt möglicherweise durch Nebentätigkeiten ergänzt werden muss.
Es ist auch möglich, sich dokumentarischer Arbeit aus dem Hintergrund der Film- oder Fernsehproduktion zu nähern. In diesem Fall kann sich jemand in diesem Bereich ausbilden lassen und eventuell auch Berufserfahrung sammeln, bevor er sich der Dokumentarfilmproduktion zuwendet.