kmkb - Von der Cutterin zur Videoeditorin

Vom Perforationsloch zum Pixel. Von der Cutterin zur Videoeditorin.

22/08/2022

Berufe in der Filmbranche im Wandel

Die technischen und kreativen Anforderungen an den Film- oder Videoeditor* genannten Beruf wandeln sich stetig. Insbesondere der Videoschnitt und die Digitalen Medien führten zu Umbrüchen in diesem Berufsfeld.

Auch die Berufsbezeichnung selbst hat sich geändert. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts spricht man hierzulande vom Film- oder Videoeditor*, beziehungsweise auch einfach vom Editor*. Damit wurde der früher gebräuchliche Begriff Cutter/Cutterin und Schnittmeister* verdrängt.

Wir von kmkb – Netzwerk & Beratung hatten die Möglichkeit, ein Gespräch mit einer heute 57-jährigen Videoeditorin zu führen, die seit 1988 in diesem Beruf tätig ist und dadurch selbst noch für viele Jahre den Schnitt am klassischen Schneidetisch und an einer Elektronischen Schnitteinheit ausgeführt hat, bevor sie anfing, an heute gängigen, digitalen Schnittsystemen und deren Peripheriegeräten zu arbeiten.

kmkb: Ulli, Du bist tatsächlich eine derer, die innerhalb der letzten 34 Jahre diesen Wandel vom Filmschneidetisch, über den elektronischen Schnittplatz bis hin zur Workstation mit digitaler Schnittsoftware persönlich mitgemacht hat.

Ulli: Das stimmt. Ich für meinen Teil kenne noch viele Kollegen* aus der Zeit, also Ende der 1980er bis Ende der 1990er Jahre, die denselben Weg gegangen sind. Meine ehemaligen, fast ausschließlich wesentlich jüngeren Kollegen* aus der nahen Vergangenheit allerdings standen im wahrsten Sinne des Wortes immer mit weit geöffneten Augen und Ohren vor mir, wenn ich mal wieder von „damals“ erzählte. Von meiner Arbeit am Filmschneidetisch.
Ich spreche von den Kollegen*, mit denen ich noch bis Ende 2019 in der Abteilung „Creative“ für unterschiedliche Spartensender innerhalb von vielen Jahren hunderte von Trailern an non-linearen Workstations mit digitaler Schnittsoftware produziert habe, wie z.B. mit Avid, Final Cut Pro oder Premiere Pro von Adobe. Unserer Aufgabe bestand, zusammengefasst gesagt aus „Konzept, Text, Musikauswahl, Schnitt, grafische Animation, Verpackung, Ausspielung und Archivierung der Projekte.“

kmkb: Bleiben wir doch kurz noch in der nahen Gegenwart. Bei der Digitalen Videobearbeitung. Kannst Du beschrieben, wie sowohl die allgemeinen Arbeitswege waren, aber vor allem auch die Arbeit am Projekt selbst?

Ulli: Anfänglich hatten wir auch hier noch echte Video-Bänder, die sogenannten Digi-Betas (Digital Betacam) in der Hand, die man über einen verbundenen Player/Recorder auf eine interne Festplatte der Workstation eindigitalisieren musste, um das Material mit der Software/dem Programm bearbeiten zu können. Das hat so lange gedauert, wie der Film lang war. Also, 1:1. Für Imagetrailer brauchte man oft mehrere Filme. Diese Arbeit wurde aus Zeitgründen vorwiegend von unserem Materialkoordinator übernommen. Die digitalen Bänder, auch Tapes genannt, brauchte man aber auch, um das fertige Produkt, den/die Trailer am Ende wieder dort drauf auszuspielen, bevor sie per Kurier in die Sendeabwicklung gefahren wurden.
Schon bald aber waren alle Prozesse komplett digitalisiert. Die Filme, aus denen die Trailer entstanden, wurden von unserer Mutterfirma in New York oder anderen TV-Zulieferern als digitale Files auf einem Server bereitgestellt. Klick, markieren, kurz warten, bis der Download auf die interne Festplatte stattgefunden hat, und schon konnte man alles im Schnittprogramm bearbeiten. Ton und Bild. Das fertige Produkt konnte dann vom Schnittplatz auf digitalem Weg über die Qualitätskontrolle (Quako) in die Sendeabwicklung hochgeladen (Upload – im Gegensatz zum Download) werden.

Faszination digitaler Videoschnitt

kmkb: Was genau ist das Neue, das Faszinierende am Digitalen Videoschnitt?

Ulli: Abgesehen davon, dass die Bilder inzwischen aus Pixeln, also aus tausenden von Bildpunkten bestehen und man dadurch relativ unkompliziert unterschiedlichste Bildgrößen und Ausspielformate erstellen kann, ist es auch für die eigentliche Arbeit eine große Erleichterung: Jedes Bildframe, jede Einstellung, jedes Teil in der Musik, etc. bleibt immer im Original bestehen, auch, wenn man aus der Quelle, der Source die nötigen Szenen mit einem kleinen Shortcut, vielleicht sogar mehrfach „heraushebelt“, um sie in die Schnitt-Timeline zu setzen, in der das Werk dann in Video- und Audiospuren zusammengesetzt wird. Komponiert, sozusagen (aus dem Lateinischen – componere: zusammensetzen, -stellen, -legen). Daher hatte wohl auch der Avid Media Composer seinen Namen.
„Digital komponieren“ ist eine schier unerschöpfliche kreative Spielwiese, auf der man Bilder, Musiken, Soundeffekte hin und her schieben kann, Schnitte bild-/frameweise nach vorne oder hinten versetzen, innerhalb einer Einstellung durch einfaches Drüberziehen der Maus ganz schnell den In- oder Out-Punkt einer Szene verändern-, zig Video- und Audiospuren durch einen Mausklick hinzufügen oder -klick-, wieder, löschen kann. Unendliche Kopien der Schnittsequenzen erstellen durch -klick- Duplizieren der Sequenz. Gerne auch mehrfach. Alle Versionen behalten, um dann vielleicht doch wieder zur ersten zurückzukehren. Rumprobieren, rumfeilen, rumspielen. Klick, zieh, klick, Lasso werfen, Spuren ausschalten, wieder sichtbar machen, usw., usw.
Man hat hunderte von Bildeffekten zur Auswahl. Aussuchen, drauflegen, anpassen, doch nicht nehmen, lieber einen anderen ausprobieren. Eine einfache Blende, oder lieber „Bild-in-Bild“, Bilder reinfliegen lassen, Texte eintippen und animieren, Farben wählen, Größen ändern, Effekte über Effekte. Die Schnittwelt scheint ein Paradies für kreative Prozesse. Ein Kinderspiel. Zumindest von den Möglichkeiten her. Ob alle Möglichkeiten immer sinnvoll sind, eingesetzt zu werden, ist allerdings eine andere Frage.

kmkb: Ist es dann also auch eine Erleichterung, wenn beispielsweise nachträglich noch Änderungen vorgenommen werden müssen?

Ulli: Das ist ein wichtiger Punkt. Wie oft kommt es vor, dass alles ausgespielt ist, der Ton fertig gemischt und kurz vor dem Upload dann ein Adlerauge doch noch einen Fehler entdeckt. Obwohl bereits drei Augenpaare vorher drüber geschaut haben. Aber, kein Problem. Es liegt ja noch alles vor. Rein in die Timeline und schnell den Buchstaben ausgetauscht oder nochmal das Bild um ein paar Frames verlängert. Rendern muss man das File dann aber trotzdem nochmal.

kmkb: Und man ist ja auch örtlich gesehen wesentlich flexibler. Selbst auf einem Laptop kann man schneiden.

Ulli: Genau. Das ist mein persönlich wahrgewordener Traum. Vor über 25 Jahren sagte mal ein Regisseur zu mir: warte ab, in fünfzehn, zwanzig Jahren kannst Du im Zug sitzend Filme schneiden. Es klang so unglaublich. Doch er sollte recht behalten. Das hatte ich mir immer vorgestellt. Auf einer grünen Wiese zu sitzen und Videos zu produzieren.

Als der Filmschnitt noch am Schneidetisch stattfand

kmkb -  Film Schneidetisch - Marcel Oosterwijk
Film Schneidetisch – Foto: Marcel Oosterwijk, CC-BY-SA-2.0
kmkb - Beispiel einer Filmklappe
Beispiel einer Filmklappe – Dreharbeiten von Till Eulenspiegel am 15. Mai 2014 in Quedlinburg. Foto von Olaf Kosinsky – CC-BY-SA-3.0-DE

kmkb: Jetzt interessiert uns aber doch das „Damals“. Du hast also tatsächlich noch an einem richtigen Filmschneidetisch gearbeitet?

Ulli: Ja. Ab 1988, als ich meine vorerst einmal zehn Jahre dauernde Berufslaufbahn als Cutter-Assistentin und Cutterin beim öffentlich-rechtlichen Sender Südwestfunk Baden-Baden (heute Südwestrundfunk) mit einem 2-jährigen Volontariat zur Cutter-Assistentin begonnen hatte. Damals gab es den Nachfolgeberuf des Mediengestalters* (in dem Fall „Mediengestalter* Bild und Ton“) noch nicht. Der kam meines Wissens gerade erst auf, als ich Ende 1997 das Unternehmen verlassen habe, um nach München zu gehen.
Der Filmschnitt fand also am Schneidetisch statt. Immer in Zusammenarbeit mit einem Regisseur*. Das gedrehte Filmmaterial, der Originalfilm kam aus der Kamera zuerst direkt ins Kopierwerk, wo erst einmal eine 1:1 Arbeitskopie erstellt wurde. Denn im Laufe von oft mehreren Monaten an einem Projekt musste das Filmmaterial am Schneidetisch viel erleiden. Schrammen, Einzeichnungen, hunderte von Klebestellen mit Klebeband, und so weiter.

kmkb: Und was wurde aus dem Originalfilmmaterial?

Ulli: Der Originalfilm wurde erst ganz zum Schluss mit der so genannten Nassklebetechnik nachgeschnitten (anhand von einkopierten Filmnummern = eigenes Berufsbild: Negativcutter*). Die Tonbänder vom Dreh, die wir wegen ihres langen, schmalen Formats Schnürsenkel nannten, kamen direkt ins Tonstudio und wurden dort auf 16mm Magnetband kopiert. Sozusagen die Arbeitskopie für den Tonschnitt, der ebenfalls am Schneidetisch stattfand.
Beim Schnitt hatte man normalerweise an der linken Hand einen weißen Handschuh. Da glitt der Film immer schön durch. Mit der anderen Hand machte man die Einzeichnungen mit einem weißen Fettstift. Auf dem Tonband mit einem schwarzen Filzstift. Eingelegt wurde beides in die sogenannte Klebelade. Das war eben noch richtiger SCHNITT. Die genaue Berufsbezeichnung war Cutter oder Cutterin. Von engl. CUT = Schnitt. Spätestens seit dem Elektronischen Schnitt wird nicht mehr wirklich „geschnitten“, sondern werden Szenen hintereinander kopiert, bzw., im digitalen „Schnitt“ editiert.

kmkb: Wie bekam man denn Bild und Ton synchron? Die wurden beim Dreh doch getrennt aufgenommen?

Ulli: Richtig. Vor dem Schnitt mussten Bild und Ton erst einmal synchron (frame-genau) angelegt werden. Am Schneidetisch. Das machte man anhand der Klappe. Im Bild war zu sehen, wo sie zu ging, im Ton war der Schlag zu hören. Die Szenenbezeichnung stand ebenfalls auf der Klappe und war im Ton gesprochen. Diese Punkte musste man genau übereinanderlegen und aus allen Szenen erst einmal eine synchrone Bild-Ton-Rolle erstellen.
Übrigens muss man bei vielen Produktionen auch heute noch Bild und Ton zuerst synchron anlegen. Wenn sie beim Dreh getrennt aufgenommen werden. Das passiert dann allerdings an einem digitalen Schnittplatz.
Aber zurück zum Filmschnitt: Am Abend wurde das am Vortag gedrehte Filmmaterial im Filmteam vorgeführt. Das Film- und Tonmaterial, das dann in die engere Auswahl kam, wurde bei Spielfilmproduktionen mit weißer Tusche und schwarzem Filzstift alle 40 Felder (zur besseren Vorstellung: pro Sekunde sind es 24 Felder/Frames) nummeriert (mit der Klappennummer). Jede Szene wurde dann von Hand aufgerollt, außen beschriftet, in beschriftete Kartons oder Filmdosen gelegt. Beim Schnitt wurde das jeweils benötigte Material aus den Kartons oder Dosen rausgeholt. Alle Szenen hingen dann am sogenannten Galgen. Jedes einzelne Bildfeld musste jederzeit wiedergefunden werden können. Keines konnte zweimal verwendet werden. Wenn, dann ging ein Auftrag fürs Nachkopieren ans Kopierwerk. Das bedeutete wieder „Warten“.
Einfache Bildüberblendungen z.B. wurden mit Fettstift eingezeichnet und zur Fertigstellung in eine andere Abteilung gegeben. Sie konnten erst ganz am Schluss gesehen werden, wenn das Negativ/Positiv (Originalmaterial) magnetisch aufgezeichnet war. Während des Arbeitens am Film sah man in dem Moment der Blendeneinzeichnung nur ein Linienwirrwar im kleinen Monitor am Schneidetisch laufen. Man hatte also noch keine richtige Vorstellung davon, wie die Blende am Ende genau aussehen würde. Hier meine ich eine ganz einfache Überblendung zweier Szenen ineinander.

Heute würde man es Sounddesign nennen

kmkb: Und wie hat man die Tonebene bearbeitet?

Ulli: Beim Schnitt selbst wurde erst einmal fast ausschließlich nur der O-Ton, also die Sprache mitgeschnitten. Wenn nach Monaten der gesamte Schnitt final stand, ging es ans Bänder machen: Jedes Band (Rolle aus Magnetband) musste exakt so lang sein, wie der Film, auch wenn nicht durchgehend Ton drauf war. Um die Synchronität zu wahren. Das heißt, man konnte meterlang Bandmaterial auf einer Rolle haben, in dem jeweils vielleicht nur stellenweise ein Soundeffekt, O-Töne oder eine Musik zu hören waren. Es wurden O-Ton Bänder, Geräuschbänder, Atmobänder, Musikbänder (jede Tonspur ein extra Band) angefertigt. Dabei Geräusche oder Atmos, die nicht direkt beim Dreh mit aufgenommen wurden, aus dem real existierenden Geräuscharchiv (Schnürsenkelbänder) rausgesucht, auf Magnetband kopiert und ebenfalls angelegt. Heute würde man es Sounddesign nennen. Damals eben „Bänder machen“. Ein Mischplan für die finale Tonmischung wurde geschrieben. Unzählige riesige Papierbögen, auf denen händisch alle vorhandenen Töne und deren Timecodes eingezeichnet wurden. Danach wurden alle Bänder im Tonstudio auf einen magnetischen Mehrspurrekorder gespielt, das mit dem Mischpult verbunden war. Ich erinnere mich daran, dass wir teilweise bis zu 24 einzelne Rollen für einen Spielfilm angefertigt haben. Als Cutter* und Cutterassistent* hat man der Mischung beigewohnt und dem Tonmeister* den Mischplan vorgelesen, während er die einzelnen Spuren gepegelt-, technisch bearbeitet und zu einer Endfassung zusammengemischt hat.
Heute wandelt man die digitalen Tonspuren einfach direkt aus dem Schnittprogramm in ein digitales File um (z.B. ins omf-Format), das dann in die Tonbearbeitung geht. Am jeweiligen Audiobearbeitungssystem hat man dort die jeweiligen Spuren so vorliegen, wie sie vom Schnitt kommen. Das fertig gemischte Soundfile wird wieder zurückgespielt, damit es im digitalen Schnittprogramm eingesetzt- und später mit dem Bild zusammen rausgerendert werden kann.
Übrigens. Der Schnitt eines 90-minütigen Spielfilms konnte sich über acht bis neun Monate ziehen. Vom ersten Drehtag bis zur Endbearbeitung (Farbkorrektur, Titel gestalten, etc.)

Linearer Schnitt an U-Matic, Hi8 und Beta SP Schnittplätzen

kmkb - Grass Valley 110 Bildmischer bzw. Bildmischpult
kmkb – Grass Valley 110 Bildmischer bzw. Bildmischpult Foto: Espiforenque – public domain

kmkb: Du hattest vorhin den „Elektronischen Schnitt“ erwähnt? Wo kann man den zeitlich einordnen und was ist der Unterschied zum Film- oder digitalen Schnitt?

Ulli: Schon zu meiner Anfangszeit beim Südwestfunk, 1988 gab es parallel den Elektronischen Schnitt, auch linearer Schnitt genannt. Anfänglich haben wir mit dem U-Matic Format-, dann mit Hi8 und Beta SP gearbeitet. An Zwei- und Dreimaschinen-Schnittplätzen. Das bezog sich auf die Anzahl der zuspielenden Player. Diese Art des Schnitts wurde bei uns vorwiegend für aktuelle Beiträge (Tagesschau, Landesschau), Magazinbeiträge, Features, etc. eingesetzt. Immer an der Seite eines Redakteurs*, der inhaltlich für den Beitrag verantwortlich war. Der Arbeitsplatz selbst erinnerte zum Teil eher an ein Cockpit oder Sendezentrum mit großem, technischem Gerät. Ein Maschinen-Arbeitsplatz mit mehreren Monitoren, Bildmischpult, Tonmischpult und Schnittsteuergerät.
Das war auch Bild- und Tonschnitt, aber genau genommen ein Kopiervorgang. Von Band auf Band. Mit einem Schnittsteuersystem, das zwischen Zuspieler und Recorder geschaltet war. Um z.B. vor- und zurückzuspulen, IN- und OUT Punkte zu setzen, Tonspuren anzuwählen, etc. Man kann sich das Prinzip wie bei einem Musik-Kassettenrekorder vorstellen. Plus ein Steuergerät zwischen zwei Kassettenrekordern.
Das Originaltape (Kassette) aus der elektronischen EB-Kamera mit dem gedrehten Material (Bild und Ton) kam direkt in den so genannten „Player“. Von dort wurden die Szenen und Töne auf ein leeres Band, das Masterband, auf dem der Beitrag entstand, gespielt, also kopiert. Auch hier ging das Originalmaterial nie verloren. Man konnte ein und dieselbe Szene theoretisch zigfach auf das Masterband kopieren. Bevor der Schnitt „heiß“ gemacht-, sprich, fest auf das Band kopiert wurde, machte man eine Schnittvorschau, ein Preview. Erst wenn das gepasst hat, kam die Szene auf das Band. Denn dort saß sie erst einmal fest. Wenn der Beitrag fertig war und dann nachträglich noch etwas geändert werden sollte, wurde der ganze Teil, der danach kam auf ein Extraband kopiert, die Änderung gemacht, und der ausgelagerte Teil wieder hintendran gespielt/kopiert. Was ein Zeitaufwand.
Beim Elektronischen Schnitt konnte man, wie später beim digitalen, die Effekte schon direkt während der Herstellung des Beitrags sehen.

kmkb: Was uns noch interessiert: wie war in diesem Arbeitsbereich die Verteilung bei den Geschlechtern?

Ulli: Ich kann nur von unserem Sender sprechen. Beim SWF (Südwestrundfunk) waren vorwiegend weibliche Cutterinnen im Film- und zuerst auch Elektronischen Schnitt tätig. Ca. 30 Cutterinnen und Cutter-Assistentinnen gegenüber zwei männlichen Cuttern. Nachdem die Elektronischen Schnittplätze in ihrem Aufbau und ihrer Handhabung technisch immer umfangreicher wurden, also, spätestens beim Aufkommen der Drei-Maschinen-Plätze wurden bei uns immer mehr männliche, ursprüngliche MAZ-Techniker zu „Cuttern“. Weil sie mit Technik sehr vertraut waren. Dafür hatten sie allerdings keine klassische Schnittausbildung. Zu dieser Zeit war es noch so, dass man mit Technik eher Männer verband. Wobei sich schnell gezeigt hat, dass natürlich genauso die Frauen fähig waren, an den solchen Schnittplätzen zu arbeiten.
Neben technischem Verständnis sind vor allem auch musisches Verständnis und Rhythmusgefühl wichtig. Als Film-/Videoeditor erzählen wir eben mit bewegten Bildern, Musik, Sprache und Dramaturgie Geschichten.

Beim Aufkommen der ersten digitalen (Avid) Schnittsysteme im SWF haben die alteingesessenen Cutter* erst einmal Abstand genommen, aber die jüngeren, vorwiegend weiblichen Cutterinnen waren ganz wild drauf, die neue, digitale Schnitttechnik zu lernen. Mich eingeschlossen. Denn ich wollte ja irgendwann auf der grünen Wiese sitzen und Videos produzieren 😊

kmkb: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

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