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Schauspiel-Casting – worauf geachtet werden sollte, damit es nicht schiefläuft

Aktuelles – 21/09/2022

Ein Appell an die Entscheider* der Produktionsfirmen und Castingagenturen

Sie sind als Schauspieler* zu einem Casting eingeladen? Sie haben Ihre Rolle einstudiert. Sie suchen vielleicht noch weitere Antworten im Netz? Auf was sollten Sie noch achten?

Sicherlich werden Sie zahlreiche Ratschläge und Checklisten vorfinden, die hier und da für ein Schauspiel-Casting hilfreich sind. Auch Produktionsfirmen werden fündig. Projektpläne, dargestellt wie Einkaufslisten, die abzuhaken sind, geben Struktur vor. Was Sie allerdings nicht finden, sind Leitbilder und Wertesysteme. Auf was legen die Entscheider* der Produktionsfirmen und Castingagenturen in der gemeinsamen Projektarbeit wert?

Was soll man mit folgendem Hinweis anfangen?

(Quelle: Google: „Wie verhält man sich bei einem Casting?“)

Antwort:

Beim Casting überzeugen. Ruhig bleiben. Selbstbewusst auftreten. Mimik und Gestik. Benehmen. Emotionen zeigen.

Schauspiel-Castings als Bewerbungssituation verstehen

Benehmen?

Bedeutung: 1) umgangssprachlich: Gesamtheit der Umgangsformen, des Verhaltens, der menschlichen Handlungsweisen. 2) Rechtssprache: Form der Mitwirkung bei einem Rechtsakt, weniger als Einigung oder Absprache. 3) Kontakt aufnehmen.

Schlägt man die Karrierebibel auf, so entdeckt man eine Definition zum Guten Benehmen: Gutes Benehmen (englisch: good behaviour) heißt, je nach Situation angemessen reagieren zu können. Das schließt nicht nur bestimmte Orte ein, etwa Ihr Verhalten am Arbeitsplatz, in der Schule Ihres Kindes oder bei einem Abendessen im Sternerestaurant. Das schließt auch unerwartete Situationen ein. Um das leisten zu können, müssen folgende Prozesse ablaufen:

  • Die Situation muss identifiziert werden.
  • Der Beobachter muss über das adäquate Wissen verfügen.
  • Er muss in der Lage sein, dieses Wissen anwenden zu können.
  • Durch Selbstreflexion und Empathie kann der Beobachter sich und seine Umgebung einordnen.

Das Schauspiel Casting ist eine Bewerbungssituation

Primär ist Ihr Typ gefragt, Ihr schauspielerisches Können. Im Kontext des Bewerbungsverfahrens spricht man diesbezüglich allgemein von fachlichen Kompetenzen. Genauso wichtig allerdings sind gewöhnlich Ihre Arbeitsweise und die sogenannten Softskills, Ihre Fähigkeit im Team zu agieren. Schauspieler* erhalten keine Arbeitszeugnisse, Entscheider* werden nur sehr selten öffentlich bewertet. Projekte haben einen zeitlichen Rahmen. Die Notwendigkeit gemeinsam an einer fördernden und wertschätzenden Kommunikationskultur zu arbeiten, zählt nur selten zu den Projektzielen. Das künstlerische Gelingen steht im Vordergrund und die Hoffnung, dass ein jeder* gut durch die Zeit kommt, ohne im Anschluss ein halbes Jahr auf Kur gehen zu müssen.

In jeder Branche sind heutzutage, des Fachkräftemangels und/oder des Generationswechsels wegen, Unternehmen herausgefordert, sich ihren Bewerbern* im besten Licht zu präsentieren. Die Zeiten sind vorüber, in denen hierarchische Strukturen für Bewerber*, attraktiv sind. Positionen sind out. Rollenverständnis und Partizipation sind gefragt. Auch die Filmbranche ist diesbezüglich auf vielen Ebenen herausgefordert. Produktionsfirmen, Filmverleih, Förderanstalten und eben auch in hohem Maß Darstellende Künstler. Selbstvermarktung, Castings, ob analog oder digital, das Balance-Finden zwischen Selbst- und Fremdbestimmung, die Netzwerkarbeit, Position finden und vieles mehr, gehört auch zum Berufsbild eines Schauspielers*.

Schauspiel-Castings und Wertschätzung, ein Widerspruch?

Der Wunsch nach zwischenmenschlicher Professionalität wird immer lauter.

Im Rahmen unserer Beratung und unseres Schauspielcoachings werten wir immer wieder gemeinsam mit unseren Kunden* Castings aus. Einige anonyme Äußerungen, schiefgelaufener Castings, wollen wir Ihnen hier näherbringen:

  • „Ich kam mir vor, wie in der Fabrik. Ich habe nie wieder was von denen gehört. Keine Absage. Keine Zusage. Nicht mal ein Danke, dass ich mich vorbereitet habe.“
    (Casting München für eine Tanzshow)
  • „Die hätten mir auch einen Hund als Anspielpartner vorsetzen können, da hätte ich wahrscheinlich mehr rausholen können. Der Typ, den sie mir vorgesetzt haben, war über sechzig, ich sollte mich aber, laut Szene, in eine zwanzigjährige Frau verlieben, ich bat um ein Gespräch, aber das war zeitlich nicht möglich.“
    (Schauspiel-Casting für eine Netflix Serie)
  • „Die Produktion schaffte es nicht mal, mir ein Wasser anzubieten, ich hatte einen so trockenen Mund …“
    (Imagefilm / Produktionsfirma, Köln)
  • „Sie hätten mir auch vorab sagen können, dass sie das Drehbuch noch mal komplett umschreiben müssen, der aktuelle Stand war zu wenig divers für die Einreichung einer Drehbuchförderung.“
    (Miniserie, Berlin)

Sollten auch Sie während Ihres Castings Situationen, ob positiv oder negativ, erlebt haben, lassen Sie uns gern teilhaben. Nutzen Sie bitte hierfür unser Kontakt-Formular.

Was ist in diesen Prozessen schiefgelaufen?

Oder anders gefragt, wer trägt Verantwortung für einen gelingenden Kennenlernprozess? Sicherlich beide Parteien. In Bewerbungssituationen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Atmosphäre durch den „Gastgeber*“ geschaffen werden sollte. Kontaktaufnahme, siehe Definition Benehmen, bedeutet nicht nur den Scheinwerfer anzuwerfen. Ein Intro wäre hilfreich, das dem Bewerber* ermöglicht, anzukommen. In jedem guten Bewerbungsgespräch gibt es eine Phase, meist am Ende, in der dem Bewerber* ermöglicht wird, Fragen zu stellen. An dieser Stelle noch mal zur Erinnerung: Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur unpassende, aber selbst diese haben ihre Berechtigung.

Merke: Abgeschlossen ist ein Bewerbungsprozess mit einer Zu- oder Absage. Bei der Verabschiedung teilt der „Gastgeber*“ mit, wann und wie er von sich hören lässt.

Mehr Infos zum Thema Schauspiel-Casting:

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