kmkb - Der Künstler Ludwig Hanisch im Portrait - Starchild - Photocredit Uwe Niklas

Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg 2022:
Der Künstler Ludwig Hanisch

30/01/2026

Zwischen Gamekultur und freier Kunst. Digitale Darstellung trifft auf analoges Material

Im Rahmen unserer erweiterten Ausrichtung als Beratungs- und Coaching-Agentur für Künstler*, Kreative und Medienschaffende, in der wir uns mit unserem Angebot inzwischen auch an Gründer* und Berufseinsteiger* in der Gamingbranche wenden, lernten wir den jungen Künstler Ludwig Hanisch kennen.

Nicht als Kunde, sondern als Inspirationsquelle, da er selbst in seiner Arbeit genau diesen Spagat zwischen Kunst und Gamingkultur schafft.

Wie er sagt, arbeitet er an der Schnittstelle zu Gamekultur, Malerei und Identifikation. Er verbindet Gaming-Ästhetik mit freier, analoger Kunst und schafft so Brücken zwischen digitalen Erlebniswelten und einem handwerklich künstlerischen Ausdruck. Damit schafft er eine neue Form der Erfahrung.
Wir sagen: freie Kunst liefert Provokation, Konzeptkunst und experimentelle Bildsprachen, Gaming bietet immersive Räume, Rhythmus und Spielmechaniken. Plattformen für Identitätsdarstellungen, Storytelling und soziale Themen.

Genauso wie unsere Begegnung mit Ludwig, so lässt sich sicherlich auch die Begegnung von analoger Kunst und Gamingkultur als eine vielschichtige, gegenseitig befruchtende Auseinandersetzung beschreiben.

Wir freuen uns, dass Ludwig Hanisch sowohl uns, als hoffentlich auch Sie mit seinem Einblick in seine künstlerische Arbeit befruchtet, dass er seine Inspirationsquellen schildert und seine Arbeitsmethoden und die Perspektiven, die sich aus der Schnittstelle von Kunst und Gaming eröffnen, zeigt.

Gamen als etwas Tiefes und Verbindendes, etwas, das man mit Freunden teilt

Wie ein Gemälde, das man gemeinsam betrachtet oder eine Art Plattform, die dem Austausch von gemeinsamen Erlebnissen dient.

kmkb: Lieber Ludwig, was kannst Du uns über Deinen Werdegang erzählen? Wie kamst Du insgesamt zur Kunst und vor allem, wie kam es dazu, dass Du Dich mit der Verbindung von Kunst und Games beschäftigt hast? Was war und ist Deine Inspiration?

Ludwig: Hi, mein Name ist Ludwig Hanisch und bin freischaffender Künstler, geboren 1984 in Halle an der Saale. Von 2006 bis 2012 habe ich freie Malerei bei Prof. Thomas Hartmann an der AdBK Nürnberg studiert. Ich lebe schon seit 1986 in Nürnberg, bin also noch vor der Wende hierhegezogen, und arbeite hier seit meinem Abschluss 2012 als selbstständiger Künstler. Auch freue ich mich, seit 2022 Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg zu sein.

Ich bin mit meinen Eltern und zwei älteren Brüdern in einer Nürnberger Vorstadt bzw. Sozialwohnsiedlung aufgewachsen. Besonders gern erinnere ich mich an die Zeit zurück, als wir mit allen Nachbarskindern unterschiedlichster Herkunft mit- und beieinander gespielt haben. Früh bin ich dadurch mit den ersten Computern und deren Computerspielen, und zwar einem ZX Spectrum und Amiga, in Berührung gekommen. Richtig cool wurde es dann, als meine Eltern mir und meinen beiden Brüdern endlich einen Commodore 64 mit einer großen Sammlung an Games besorgt haben. Meinen Brüdern und Nachbarskindern beim Computerspielen zuzuschauen, und auch selbst spielen zu dürfen, war für mich eine der schönsten und prägendsten Zeiten überhaupt.

Im Nachhinein betrachtet verfestigte sich in dieser Zeit die Erfahrung, Gamen als etwas Tiefes und Verbindendes, etwas, das man mit Freunden teilt, zu erleben: wie ein Gemälde, das man gemeinsam betrachtet oder eine Art Plattform, die für Austausch von gemeinsamen Erlebnissen dient. Auf der anderen Seite, als ich meine erste eigene Konsole (PSX) gekauft habe, empfand ich, je nach Game, spielen als einen höchst sensibilisierenden Akt. Computerspiele sind ein multimodales Medium, für das man seine Antennen fein justieren muss, um die vielen Dinge in ihrem Zusammenspiel wahrzunehmen und zu begreifen.

Vor allem in Rollenspielen und anderen liebevoll gestalteten Games, tragen die dichte Atmosphäre in Zusammenspiel mit emotionsbetonter Musik zu einer intensiven Erfahrung bei. Zugegebenermaßen bin ich den Storylines dieser Spiele nicht immer ganz gefolgt. Für mich war es wichtiger, dass ich von der Atmosphäre eingenommen werde und ich mich mit den Game-Charakteren identifizieren kann. So habe ich das Gefühl, etwas Einzigartiges ganz für mich zu entdecken und gleichzeitig das Bedürfnis zu entwickeln, Menschen finden zu wollen, denen es ganz genau so geht – Menschen, die dieselbe Gefühlswelt teilen.

Verpixelte Affen: Bilder in einem “Schwebezustand” zwischen digital und analog

kmkb: Wie ist Deine gedankliche, aber auch handwerklich-künstlerische Herangehensweise und was genau ist Deine Botschaft?

Ludwig: In meiner Malerei, insbesondere bei meinen verpixelten Affen, destilliere ich diese Mischung von Präsenz, Identifikation und Virtualität heraus, die ich mit digitalen Avataren verbinde. Meine Affen trotten durch verregnete Felder oder fallen in mystische Dungeons, die es auf wertvolles Loot abzusuchen gilt. Meist werden diese Wesen von verpixelten Items, Power-ups, flammenartigen Special Moves oder digitalen Regen begleitet. Welche geheimnisvolle Kraft wird ihnen wohl dadurch verliehen?

Diese Affen-Malereien sind intensiv in ihrer Materialität, d.h. ich trage mehrere Schichten von Farbe auf den Bildträger (Papier) auf, um sie danach teils abzuschaben oder abzuspülen. Somit entsteht mit der Zeit eine Patina aus Rissen und Löchern, die den Bildern einen reliktartigen Zustand verleiht – ein Zustand, den ein rein digitales Bild nur simulieren kann. Der Faktor Zeit, der auf Material langsam einwirkt und es zu einem mystischen Objekt verformt, spielt dabei eine wichtige Rolle.

In meiner Malerei trifft Digitale Darstellung auf analoges Material. Meine Bilder befinden sich in einem “Schwebezustand” zwischen Digital und Analog.

Meine analogen Ausstellungsräume werden automatisch gamifiziert

Meinen Ansatz Gamekultur mit freier Kunst zu verschränken, entwickle ich in meinem konzeptionellen Werkserien weiter: In der Serie “Highscore” zum Beispiel, geht es darum, den Begriff Gamification in freie Kunst zu überführen. Dies geschieht humorvoll: denn hänge ich einen solchen “Highscore”, bestehend aus einem echten Basketballkorb, dessen Zielbrett aus Farbe, Leinwand und Keilrahmen hergestellt ist, im Ausstellungsraum auf, verwandelt sich dieser automatisch in ein Spielfeld – der Ausstellungsraum wird quasi “gamifiziert”.

Gleichzeitig werden die Faktoren Effizienz und Funktion, die vor allem digitalen Bildern innewohnen, an Malerei gekoppelt: denn ich brauche nur einen meiner “Highscore” aufhängen, um den ganzen Raum mit meiner künstlerischen Idee zu füllen.

Ich selbst spiele keine aktuellen Games – ich würde mich da eher als Beobachter bezeichnen. Persönlich zocke ich ab und zu mit Freunden Retro-Games. Die Games, die wir uns als Kinder nicht leisten konnten und jetzt nachholen:)

Die Idee, Gamekultur mit Malerei, dem Medium für Bildentwicklung und Bildforschung schlechthin, zu verbinden

kmkb: Was sind Deine Gedanken dazu, dass Computerspiele Kunst sind, und welche kulturelle Bedeutung haben sie oder sollten sie haben?

Ludwig: Wie Computerspiele mein persönliches, künstlerisches Potenzial entfachen, habe ich anhand meiner verpixelten Affen und der “Highscore” Werkserie beschrieben.

Allgemein sei gesagt, dass ein Medium an sich wie Malerei, Skulptur, Film oder auch Computerspiele, noch keine “Kunst” darstellen. Nur weil man z.B. in der Malerei Farbe auf einen Bildträger vermalt, heißt das noch lange nicht, dass dabei automatisch ein Kunstwerk entsteht. Man muss also auch im Falle von Games jedes Computerspiel im Einzelnen betrachten und seinen Kontext begreifen, ob es denn als Kunstwerk wirken bzw. gelten kann. Da besonders Computerspiele viele verschiedene, gestalterische Disziplinen in sich vereinen, ist das natürlich ein höchst komplexes unterfangen. Um welche höhere, künstlerische Aussage geht es dem Spiel also genau?

Interessant finde ich bei Computerspielen, dass wir als Gamer Konsument und Creator zu gleich sind: Computerspiele sind dynamisch aufgebaut, dass heißt wir greifen nicht nur in das Geschehen ein, sondern bestimmen auch das Tempo der Spielerfahrung selbst. Und wenn man an Spiele wie z.B. Minecraft denkt, dürfen wir Elemente des Games nach unseren Vorstellungen (mit-)gestalten. Wir sind also in der Lage, kreative Selbstwirksamkeit bzw. gestalterischen Ausdruck durch Games zu erlangen und zu erfahren. Daher mag ich die Idee Gamekultur mit Malerei, also dem Medium für Bildentwicklung und Bildforschung schlechthin, zu verbinden.

Computerspiele sind wie ein Labor, das die Funktion und Mechaniken von virtuellen Bildwelten ausreizt

Für mich sind Computerspiele wie ein Labor, das die Funktionen und Mechaniken von virtuellen Bildwelten, also den Möglichkeitsraum von Digitalität experimentvoll auslotet und ausreizt. Social Media Plattformen verknüpfen gekonnt Funktionen wie Zugänglichkeit, Interaktion, Feedback, Kopierbarkeit, uvm. an die digitalen Darstellungen unserer realen Kunstwerke…

Games sind aber auch ein Medium, das mich nicht nur wegen der technischen Entwicklung und Fortschritts überfordert, weswegen ich mir gern “ein Bild” davon mache, um sie besser zu verstehen.

Bilder und Skulpturen lassen sich meist sehr “direkt” im Raum, also im ganzen Umfang betrachten. Filme und Performances haben generell ein klares Skript von Anfang und Ende. Bei Computerspielen ist das etwas mehr verschachtelt. Ich frage mich: Welche Momente eines Games bildet seinen Geist am besten ab? Lässt sich ein Game auf ein Bild herunterbrechen?

Der tiefere Blick enttarnt, kunstvolle Games sind nicht bloß Hülle von Entertainment und gleichzeitig an uns alle adressiert.

Ausstellungen

kmkb: Können wir uns auf eine oder mehrere Ausstellungen von Dir in diesem Jahr freuen?

Ludwig: Ich freue mich sehr darauf Mitte des Jahres 2026 eine Einzelausstellung im Kunstverein Zirndorf zu haben. Die Solo-Show nutze ich auch um meine erste zusammenhängende Avatar-Serie mit dem Titel “Quest” zu launchen. Alle die meinem Newsletter verfolgen, dürfen sich freuen ein exklusives Preview, also bevor die Werke in Zirndorf ausgestellt werden, auf die Bilder zu erhalten. Außerdem wurde ich eingeladen Ende 2026 an einer Gruppenausstellung über Spielzeug in der Nürnberger Kunst in der Kunstvilla Nürnberg, teilzunehmen. Stay tuned! 🙂

Meine Website lautet www.ludwig-hanisch.de

Und ich freue mich über jeden, der bei meinem Instagram Kanal @ludwighanisch vorbeischaut. Wer mir eine Mail mit dem Betreff “NL” sendet, den nehme ich gerne in meinem Newsletter auf.

Ich danke dem kmkb-Team sehr für das schöne Interview! ゞ(●’◡’●)

Und wir von kmkb danken Ludwig Hanisch für diesen aufschlussreichen Einblick in seine Arbeit und damit auch in seine Persönlichkeit!

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